Coronavirus – kein Grund zur Panik?

Von 21.03. – 03.04.2020 gilt in Bayern eine vorläufige Ausgangsbeschränkung anlässlich der Corona-Pandemie.
Das Corona-Virus-Szenario wurde durch das Robert-Koch-Institut im Auftrag der Bundesregierung bereits im Jahr 2012 durchgespielt und am 03. Januar 2013 in der Drucksache 17/12051 veröffentlicht:
http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf

2.3 Risikoanalyse „Pandemie durch Virus Modi-SARS“

Die Risikoanalyse „Pandemie durch Virus Modi-SARS“ wurde unter fachlicher Federführung des Robert Koch-Instituts und Mitwirkung weiterer Bundesbehörden durchgeführt.

[…]
Das Szenario beschreibt ein außergewöhnliches Seuchengeschehen, das auf der Verbreitung eines neuartigen Erregers basiert. Hierfür wurde der zwar hypothetische, jedoch mit realistischen Eigenschaften versehene Erreger „Modi-SARS“ zugrunde gelegt. Die Wahl eines SARS ähnlichen Virus erfolgte u. a. vor dem Hintergrund, dass die natürliche Variante 2003 sehr unterschiedliche Gesundheitssysteme schnell an ihre Grenzen gebracht hat. Die Vergangenheit hat bereits gezeigt, dass Erreger mit neuartigen Eigenschaften, die ein schwerwiegendes Seuchenereignis auslösen, plötzlich auftreten können (z. B. SARS-Coronavirus (CoV), H5N1-Influenzavirus,
Chikungunya-Virus, HIV). Unter Verwendung vereinfachter Annahmen wurde für dieses Modi-SARS-Virus der hypothetische Verlauf einer Pandemie in Deutschland modelliert, welcher sowohl bundesrelevant als auch plausibel ist.

Das Szenario beschreibt eine von Asien ausgehende, weltweite Verbreitung eines hypothetischen neuen Virus, welches den Namen Modi-SARS-Virus erhält. Mehrere Personen reisen nach Deutschland ein, bevor den Behörden die erste offizielle Warnung durch die WHO zugeht. Darunter sind zwei Infizierte, die durch eine Kombination aus einer großen Anzahl von Kontaktpersonen und hohen Infektiosität stark zur initialen Verbreitung der Infektion in Deutschland beitragen. Obwohl die laut Infektionsschutzgesetz und Pandemieplänen vorgesehenen Maßnahmen durch die Behörden und das Gesundheitssystem schnell und effektiv umgesetzt werden, kann die rasche Verbreitung des Virus aufgrund des kurzen Intervalls zwischen zwei Infektionen nicht effektiv aufgehalten werden. Zum Höhepunkt der ersten Erkrankungswelle nach ca. 300 Tagen sind ca. 6 Millionen Menschen in Deutschland an Modi-SARS erkrankt. Das Gesundheitssystem wird vor immense Herausforderungen gestellt, die nicht bewältigt werden können. Unter der Annahme, dass der Aufrechterhaltung der Funktion lebenswichtiger Infrastrukturen höchste Priorität eingeräumt wird und Schlüsselpositionen weiterhin besetzt bleiben, können in den anderen Infrastruktursektoren großflächige Versorgungsausfälle vermieden werden. Nachdem die erste Welle abklingt, folgen zwei weitere, schwächere Wellen, bis drei Jahre nach dem Auftreten der ersten Erkrankungen ein Impfstoff verfügbar ist. Das Besondere an diesem Ereignis ist, dass es erstens die gesamte Fläche Deutschlands und alle Bevölkerungsgruppen in gleichem Ausmaß betrifft, und zweitens über einen sehr langen Zeitraum auftritt. Bei einem Auftreten einer derartigen Pandemie wäre über einen Zeitraum von drei Jahren mit drei voneinander getrennten Wellen mit immens hohen Opferzahlen und gravierenden Auswirkungen auf unterschiedliche Schutzgutbereiche zu rechnen.

Dann ab Seite 55 im Anhang 4 sind die damals berechneten Schäden an Menschen, Wirtschaft etc nachzulesen…

Die Inkubationszeit wird damals schon mit maximal „14 Tagen“ angegeben. „Fast alle Infizierten erkranken auch“ (wortwörtlich!)

weiter geht’s:

Neben Einhaltung von Hygienemaßnahmen können Schutzmaßnahmen in dem Sinne also ausschließlich durch Absonderung Erkrankter bzw. Ansteckungsverdächtiger, sowie den Einsatz von Schutzausrüstung wie Schutzmasken,

Schutzbrillen

und Handschuhen getroffen werden.

War die Übertragung über die Augen schon damals bekannt?

Die Ausbreitung in Deutschland erfolgt über eine Messestadt

Die Messe-Problematik wurde zwar angesprochen, aktuell liefen die Messen aber für meine Begriffe zulange ungestört weiter. Kann man hier nicht schon von fahrlässiger Tötung reden?

Der Erreger stammt aus Südostasien, wo der bei Wildtieren vorkommende Erreger über Märkte auf den Menschen übertragen wurde.
[…]
Durch diese zoonotische Übertragung in Gang gesetzte Infektketten

Prophetische Gabe hatten die wohl 2012?

Dann folgen ein paar Grafiken über den möglichen Pandemievelauf.

Ab Seite 64 stehen dann die möglichen Opferzahlen (in mehrfacher Millionenhöhe, alleine für Deutschland).

weiter auf Seite 65:

Die enorme Anzahl Infizierter, deren Erkrankung so schwerwiegend ist, dass sie hospitalisiert sein sollten bzw. im Krankenhaus intensivmedizinische Betreuung benötigen würden, übersteigt die vorhandenen Kapazitäten um ein Vielfaches

Opferzahlen (Seite 65):

Wenn Schutzmaßnahmen eingeführt werden und greifen, sind auf den Höhepunkten der Wellen jeweils rund 6 Millionen (1. Welle), 3 Millionen (2. Welle) und 2,3 Millionen (3. Welle) erkrankt. Ohne Gegenmaßnahmen sind es rund 19 Millionen (1. Welle), rund 6,5 Millionen (2. Welle) und rund 3,3 Millionen (3. Welle)

Seite 76:

Es ist über den gesamten Zeitraum mit mindestens 7,5 Millionen Toten zu rechnen

(alleine in Deutschland)

Das war vor 8 Jahren. Damals wurde ein Szenario durchgespielt, welches möglicherweise in genau dieser Form jetzt eintritt. Damals rechnete man „mit immens hohen Opferzahlen„.

Die Risikoanalyse blieb offensichtlich unbeachtet – ein beispielloses Staatsversagen!
2013 wurde dem Bundestag eine Risikoanalyse des Robert Koch-Instituts für gerade dieses Szenario vorgestellt. Diese Studie kennt also unsere Regierung, denn die damalige Regierung war der Auftraggeber der Studie. Wie sieht denn nun die angebliche „gute Vorbereitung“ aus?

Dass sich die Risikoanalyse vom 10.12.2012 nicht einmal acht Jahre später wie ein Drehbuch dessen liest, das wir gerade durchleben, kann man als blanke Ironie ansehen, wenn man bedenkt, dass die Bundesregierung diesen Bericht ersichtlich nicht zum Anlass genommen hat, entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Im Hinblick darauf wird man zur gegebenen Zeit fragen müssen, ob wir hier Zeugen eines beispiellosen Versagens geworden sind und wie wir das in Zukunft vermeiden können.

http://youtu.be/cAi8G5u-5xg
Es gebe keinen Grund zur Panik, ließ Gesundheitminister Spahn verlauten – aber Grund zur Panik gibt es nie, wie Dirk Müller richtigerweise betont, weil Panik immer auch Kopflosigkeit bedeutet – was in keinem Fall hilfreich ist. Man müsse die Aussage „Kein Grund zur Panik“ nur einmal umdrehen, um die Schwachsinnigkeit der Aussage zu erkennen – wer würde schon sagen: „Es gibt Grund zur Panik“?

geschrieben von: Peter Hollatz

Peter Hollatz

5 Antworten auf „Coronavirus – kein Grund zur Panik?“

  1. http://youtu.be/VP7La2bkOMo

    Virologe Hendrick Streeck, Professor für Virologie und Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn, erklärt, dass er sich bei der Forschung mit dem Coronavirus vor allem mit der Auswirkungen auf den Menschen sowie mögliche Ansteckungswege fokussiert habe.

    Streeck führt eine Corona-Studie selbst durch, weil das Robert-Koch-Institut nicht handelt und hat nach eigener Aussage inzwischen am meisten COVID-19-Patienten in Deutschland gesehen, weil er vom Innenministerium in NRW gebeten wurde, die Diagnostik zu übernehmen und dabei von Haushalt zu Haushalt in Gangelt ging.

    Seine Erkenntnisse, die viele sicher beruhigen: Auf Handy, Türklinken, Katzen oder im Supermarkt hatten er und sein Team „kein lebendes Virus von irgendeiner Oberfläche“ feststellen können. Selbst bei einer Familie in Heinsberg, die hoch infektiös gewesen sei, habe man im Haus keine Viren auf Oberflächen gefunden. Gefahr bestehe vor allem, wenn viele Menschen über Stunden auf engem Raum beisammen sind, wie bei Partys oder Fußballspielen.

    „Wir wissen, dass es keine Schmierinfektion ist, die über Anfassen von Gegenständen übertragen wird, dass aber eng aneinander tanzen und ausgelassen feiern schon zu Infektionen führte. Jetzt gilt es, die Nuancen dazwischen zu finden.“ So sei für ihn sehr fraglich, ob bei Friseur- oder Restaurantbesuch überhaupt Übertragungen stattfinden können und ob man nicht auch in anderen Läden des Einzelhandels (außer im Lebensmittelbereich) mit guten Vorsichtsmaßnahmen Infektionen verhindern könne.

    Immer wieder klingt durch, dass er Entscheidungen für voreilig, andere für verspätet hält. Das gilt sowohl für die Bundesregierung, als auch für das Robert-Koch-Institut. Generell könnten seiner Meinung nach viele Maßnahmen zu drastisch sein, andererseits werde zu wenig daran gearbeitet, die Maßnahmen evaluierbar zu machen.

  2. Eine „Durchseuchung“ (blöder Ausdruck) läßt sich kaum vermeiden, nur verlangsamen. Ich knutsche nicht mit jedem und versuche etwas Abstand zu halten, wasche mir oft die Hände, desinfiziere mehrfach täglich Lenkrad und Hände, bin draußen und begebe mich bestimmt nicht in Hausarrest.

    Mit der Verlangsamung der Ansteckungen ist schon sehr viel geholfen. Es gibt nur beschränkt Intensivpflegeplätze in den Krankenhäusern. Deshalb muss man aber nicht zuhause bleiben.

    Beim Lebensmittelhändler (lege Einkäufe zusammen und kaufe für andere mit ein!) versuche ich Abstand zu den Mitmenschen zu halten und weiche durchaus auch mal etwas zurück (bitte nicht persönlich nehmen!).

    Eine Kundin hatte eine Maske auf. Das schaute natürlich als Einzelner komisch aus aber meine Anerkennung, egal warum sie die Maske trug. In China wirst Du angesprochen, wenn Du keine trägst.

    Also Leute laßt Euch nicht verrückt machen unternehmt was in der freien Natur, aber beachtet einfach ein bischen Abstand, nicht in die Ferne niesen, Händehygiene…

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